Rechnet sich ein Smart Home wirklich oder zahlen Sie nur für Technik?

2. August 2022 | Controlling-Praxis

Das Wichtigste in Kürze

  • Der größte Hebel im Smart Home ist nicht Komfort, sondern die Heizung.
  • In einer Ferienwohnung ließen sich mit gesteuerten Thermostaten rund 30 Euro im Monat sparen.
  • Bei Preisen von etwa 180 Euro für ein Startpaket amortisiert sich die Technik ab dem dritten Jahr.
  • Der Nutzen entsteht durch Regeln, nicht durch Geräte – etwa Heizung aus bei offenem Fenster.
  • Rechnen Sie mit Ihren echten Verbrauchsdaten, nicht mit Werbeversprechen.

Es gibt einen Moment, den viele Vermieterinnen und Vermieter kennen. Die Nebenkostenabrechnung kommt, der Betrag ist deutlich höher als erwartet, und niemand kann erklären, warum. Bis irgendwann der Verdacht auftaucht: Da hat jemand geheizt und gleichzeitig das Fenster offen gelassen. Tagelang. Und niemand war vor Ort, um es zu bemerken.

Genau an dieser Stelle wird Smart Home zu einer Controlling-Frage. Nicht weil die Technik neu ist, sondern weil sie ein altes Problem löst: Man kann nur steuern, was man sieht. Und man kann nur sparen, was man vorher gemessen hat.

Das Problem: Verbrauch ohne Verantwortung

Wer eine Wohnung selbst bewohnt, spürt die Heizkosten unmittelbar. Wer eine Ferienwohnung vermietet, spürt sie erst ein Jahr später auf dem Papier. Dazwischen liegen viele Wochen, in denen niemand ein Interesse daran hat, das Thermostat herunterzudrehen.

Dieses Muster kennen Sie aus dem Unternehmen: Kosten entstehen an einer Stelle, verantwortet werden sie an einer anderen, und sichtbar werden sie viel zu spät. Solange diese drei Punkte auseinanderfallen, hilft kein Appell.

Die Ursache: Ihnen fehlen die Daten in Echtzeit

Eine klassische Heizung meldet nichts. Sie weißt nicht darauf hin, dass ein Fenster offen steht. Sie sagt nicht, dass die Wohnung seit drei Wochen leer ist und trotzdem auf 22 Grad geheizt wird. Ihre Steuerung ist ein Drehknopf an der Wand, und ihr Berichtswesen ist eine jährliche Abrechnung.

Was fehlt, ist also nicht Sparsamkeit, sondern Information zum richtigen Zeitpunkt. Ein Bericht, der zwölf Monate zu spät kommt, ändert kein Verhalten. Ein Signal, das sofort kommt, schon.

Die Lösung: Regeln statt Appelle

Ein Smart-Home-System besteht im Kern aus drei Bausteinen: einer Zentrale, gesteuerten Thermostaten an den Heizkörpern und kleinen Kontakten an den Fenstern. Zusammen erlauben sie eine Regel, die banal klingt und viel bewirkt: Wird ein Fenster geöffnet, dreht das Thermostat automatisch herunter. Wird es geschlossen, läuft die Heizung wieder an.

Dazu kommen Zeitpläne und die Möglichkeit, aus der Ferne nachzusehen. Sie erkennen auf dem Handy, ob in einer leeren Wohnung noch geheizt wird – und können es mit einem Fingertipp ändern. Der eigentliche Gewinn liegt nicht in der Technik, sondern in dieser Automatik. Sie funktioniert auch dann, wenn niemand daran denkt.

Was dabei herauskommt

In einem mehrjährigen Praxistest in einer vermieteten Ferienwohnung lag die Ersparnis bei durchschnittlich rund 30 Euro im Monat, also etwa 366 Euro im Jahr. Das ist kein spektakulärer Betrag, aber ein verlässlicher – und er fällt jedes Jahr erneut an.

Auf der anderen Seite stehen die Anschaffungskosten. Im Frühjahr 2022 kostete eine Zentrale etwa 60 Euro, ein Heizungsthermostat ebenfalls rund 60 Euro und ein Fensterkontakt etwa 25 Euro. Startpakete gab es ab ungefähr 180 Euro. Rechnet man eine Wohnung mit mehreren Heizkörpern durch, liegt die Investition schnell im niedrigen dreistelligen Bereich. Bei der genannten Ersparnis ist der Einsatz etwa ab dem dritten Betriebsjahr wieder hereingeholt.

Der zweite Nutzen: weniger Energie

Interessant ist, dass hier zwei Ziele in dieselbe Richtung zeigen. Jede eingesparte Kilowattstunde senkt die Kosten und den Verbrauch gleichzeitig. Das ist im Nachhaltigkeitsbereich keineswegs selbstverständlich – viele Maßnahmen kosten zunächst Geld, bevor sie wirken.

Deshalb eignet sich das Beispiel gut als Einstieg, wenn Sie im Unternehmen über Energiemaßnahmen sprechen. Es ist klein, nachvollziehbar und leicht zu rechnen. Und es zeigt ein Prinzip, das sich auf größere Gebäude übertragen lässt.

So prüfen Sie Schritt für Schritt, ob es sich lohnt

  1. Holen Sie die Verbrauchswerte der letzten beiden Jahre heraus und notieren Sie die tatsächlichen Heizkosten.
  2. Suchen Sie die drei Stellen mit dem größten unnötigen Verbrauch, etwa leerstehende Räume oder offene Fenster.
  3. Listen Sie die benötigten Geräte auf: Zentrale, ein Thermostat je Heizkörper, ein Kontakt je häufig geöffnetem Fenster.
  4. Rechnen Sie die Anschaffung gegen eine vorsichtig geschätzte Ersparnis und ermitteln Sie das Jahr der Amortisation.
  5. Starten Sie mit einem einzigen Raum als Test, statt sofort die ganze Wohnung auszurüsten.
  6. Legen Sie zwei bis drei einfache Regeln fest und ändern Sie diese sechs Wochen lang nicht.
  7. Vergleichen Sie nach einer Heizperiode die neuen Werte mit den alten und entscheiden Sie dann über die Ausweitung.

Fazit

Smart Home rechnet sich nicht durch bunte Lichter und Sprachbefehle, sondern durch eine einzige nüchterne Funktion: Die Heizung läuft nur dann, wenn sie gebraucht wird. Wer die eigenen Verbrauchsdaten kennt und die Investition ehrlich dagegenrechnet, kommt bei überschaubaren Anschaffungskosten meist auf eine Amortisation innerhalb weniger Jahre. Danach wird jedes Jahr zum Gewinn – für die Kasse und für den Energieverbrauch.

10 Fragen und Antworten

1. Welche Geräte brauche ich mindestens?

Eine Zentrale, ein gesteuertes Thermostat pro Heizkörper und ein Fensterkontakt an den Fenstern, die häufig geöffnet werden. Alles Weitere ist Komfort.

2. Lohnt sich das auch in der selbst bewohnten Wohnung?

Ja, aber der Effekt ist kleiner. Wer selbst vor Ort ist, regelt vieles ohnehin von Hand. Am größten ist der Nutzen bei Räumen, die zeitweise leer stehen.

3. Wie lange dauert die Installation?

Die meisten Thermostate werden ohne Werkzeug auf das vorhandene Ventil geschraubt. Für eine kleine Wohnung sollten Sie einen halben Tag einplanen, inklusive Einrichtung der Regeln.

4. Brauche ich einen Fachbetrieb?

Für einfache Systeme in der Regel nicht. Sobald mehrere Gewerke betroffen sind oder die Heizungsanlage selbst eingebunden wird, ist fachliche Unterstützung sinnvoll.

5. Was passiert bei einem Stromausfall?

Die Thermostate arbeiten mit Batterien und behalten ihre Einstellungen. Ohne Zentrale entfällt vorübergehend die Fernsteuerung, die Grundfunktion bleibt aber erhalten.

6. Wie sicher sind meine Daten?

Prüfen Sie vor dem Kauf, ob die Steuerung auch ohne Herstellerdienst funktioniert und wo die Daten liegen. Systeme mit lokaler Steuerung sind in dieser Hinsicht unkritischer.

7. Wie halten die Geräte im Dauerbetrieb durch?

Die Zuverlässigkeit hat sich in den letzten Jahren spürbar verbessert. Batterien halten je nach Modell etwa eine Heizperiode, ein Wechsel gehört zur jährlichen Routine.

8. Muss ich meine Gäste informieren?

Ja, das gehört zur Fairness. Ein kurzer Hinweis in der Hausmappe erklärt die Automatik und verhindert Irritationen, wenn die Heizung bei offenem Fenster herunterregelt.

9. Kann ich mit denselben Regeln auch Büroräume steuern?

Im Prinzip ja. In größeren Gebäuden übernimmt das meist die Gebäudeleittechnik. Das Prinzip bleibt identisch: heizen nur bei Bedarf und bei geschlossenem Fenster.

10. Was ist der häufigste Fehler?

Zu viele Geräte auf einmal und zu komplizierte Regeln. Wer klein anfängt und die Wirkung misst, trifft die nächste Kaufentscheidung auf einer belastbaren Grundlage.


Dieser Beitrag greift ein Thema meiner Haufe-Kolumne auf. Das Original finden Sie unter haufe.de.

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