Das Wichtigste in Kürze
- Verständlichkeit ist keine Geschmacksfrage, sondern messbar – zum Beispiel mit dem Flesch-Index.
- Der Index bewertet Satz- und Wortlänge: kurze Sätze und kurze Wörter ergeben höhere Werte.
- Werte zwischen 60 und 70 gelten als normal lesbar; viele Controlling-Berichte liegen deutlich darunter.
- Faustregel für Berichtsseiten: rund 200 Wörter, also etwa eine Minute Lesezeit.
- Ein guter Bericht ist nicht der vollständigste, sondern der, dessen Kernaussage hängen bleibt.
Kennen Sie das? Sie schicken einen sorgfältig erstellten Bericht in die Geschäftsleitung – und in der Sitzung wird genau die Frage gestellt, die auf Seite drei bereits beantwortet ist. Der Bericht war nicht falsch. Er war nur nicht lesbar.
Warum Lesbarkeit im Controlling unterschätzt wird
Im Controlling wird viel Energie in Richtigkeit investiert – und wenig in Verständlichkeit. Dabei entscheidet nicht die Qualität der Analyse darüber, ob gehandelt wird, sondern die Frage, ob die Botschaft ankommt. Wer Texte im Büroalltag liest, liest schnell, nebenbei und selten zweimal. Ein erheblicher Teil des Inhalts geht dabei verloren.
Die gute Nachricht: Verständlichkeit lässt sich prüfen, bevor der Bericht rausgeht.
Was der Flesch-Index misst
Der Flesch-Index ist eine Kennzahl für Lesbarkeit. Er verrechnet im Kern zwei Größen: die durchschnittliche Satzlänge und die durchschnittliche Wortlänge, gemessen in Silben. Kurze Sätze und kurze Wörter ergeben einen hohen Wert, verschachtelte Sätze mit Wortungeheuern einen niedrigen.
Die übliche Einordnung reicht von 0 bis 100:
- 0 bis 30: sehr schwer lesbar, typisch für juristische und wissenschaftliche Texte
- 31 bis 50: schwierig
- 51 bis 60: anspruchsvoll
- 61 bis 70: normal lesbar – die Zielzone für Berichte
- 71 bis 80: einfach
- 81 bis 100: leicht bis sehr leicht
Testen Sie es an Ihrem letzten Managementbericht. Das Ergebnis ist oft ernüchternd – und genau deshalb hilfreich.
Was der Index kann – und was nicht
Der Flesch-Index misst Form, nicht Inhalt. Ein Text aus lauter kurzen Sätzen kann inhaltlich völlig unklar sein und trotzdem gut abschneiden. Der Wert ersetzt also kein Urteil, aber er liefert ein nützliches Warnsignal: Wenn Ihr Bericht bei 35 landet, müssen Sie nicht mehr diskutieren, ob er schwer verständlich ist.
Auch Fachbegriffe sind kein Problem an sich. Ein Wort wie „Deckungsbeitrag“ ist lang, aber im Zielpublikum bekannt. Problematisch sind erfundene Wortketten, Nominalstil und Sätze, die drei Gedanken gleichzeitig transportieren wollen.
Sieben Hebel für lesbarere Berichte
- Kernaussage nach vorn. Der erste Satz sagt, was zu tun ist – nicht, wie die Datenbasis zustande kam.
- Ein Gedanke pro Satz. Wo ein „und“ zwei Aussagen verbindet, gehört meist ein Punkt hin.
- Verben statt Substantive. „Die Kosten steigen“ schlägt „Es kommt zu einer Kostensteigerung“.
- 200 Wörter pro Seite. Das entspricht etwa einer Minute Lesezeit – mehr liest ohnehin niemand aufmerksam.
- Hervorhebungen sparsam einsetzen. Wenn alles wichtig ist, ist nichts wichtig.
- Zahlen visualisieren. Eine Grafik ersetzt oft drei Absätze – vorausgesetzt, sie hat eine Aussage im Titel.
- Laut vorlesen. Wo Sie stolpern oder Luft holen müssen, stolpert auch Ihr Leser.
Lesbarkeit als feste Qualitätsstufe
Am wirksamsten wird die Kennzahl, wenn sie Teil des Prozesses wird. Legen Sie im Team einen Zielwert fest, zum Beispiel mindestens 60 für Kommentartexte im Managementbericht. Prüfen Sie den Wert vor dem Versand, nicht danach. Und behandeln Sie ihn wie jede andere Kennzahl: als Hinweis, nicht als Dogma.
Fazit
Ein Bericht wirkt erst, wenn er verstanden wird. Der Flesch-Index macht sichtbar, wie viel Arbeit Ihre Leser mit Ihrem Text haben. Das kostet fünf Minuten Prüfung – und spart die Rückfrage, die sonst in der nächsten Sitzung kommt.
10 Fragen und Antworten
1. Welcher Flesch-Wert ist für Controlling-Berichte realistisch?
Ein Bereich von 55 bis 70 ist ein guter Zielkorridor. Darunter wird es anstrengend, darüber wirkt der Ton schnell zu schlicht für Fachpublikum.
2. Funktioniert der Index auch für deutsche Texte?
Ja, es gibt eine angepasste Variante für die deutsche Sprache. Wichtig ist, immer dieselbe Berechnung zu verwenden, damit Werte vergleichbar bleiben.
3. Verfälschen Fachbegriffe das Ergebnis?
Sie drücken den Wert, ja. Deshalb gilt: Zielwert etwas großzügiger ansetzen, aber unnötige Wortungeheuer trotzdem streichen.
4. Womit prüfe ich die Lesbarkeit?
Es genügt ein kostenloses Online-Werkzeug oder die Lesbarkeitsstatistik der Textverarbeitung. Entscheidend ist die Regelmäßigkeit, nicht das Werkzeug.
5. Was ist die ideale Satzlänge?
Im Schnitt 12 bis 15 Wörter. Variieren Sie bewusst – gleichförmig kurze Sätze wirken abgehackt.
6. Gilt die 200-Wörter-Regel auch für Präsentationen?
Dort gilt sie noch strenger. Eine Folie trägt eine Aussage – den Rest erzählen Sie.
7. Wie überzeuge ich Kolleginnen und Kollegen, kürzer zu schreiben?
Mit einem Vorher-Nachher-Beispiel aus dem eigenen Haus. Ein gekürzter Absatz wirkt überzeugender als jedes Argument.
8. Ist ein hoher Wert automatisch gut?
Nein. Der Index misst nur die sprachliche Form. Inhaltliche Klarheit müssen Sie weiterhin selbst prüfen.
9. Wie hilft Vorlesen konkret?
Gesprochene Sprache ist automatisch kürzer und direkter. Diktieren Sie den Kommentar und glätten Sie ihn danach – das Ergebnis ist meist deutlich lesbarer.
10. Was ist der schnellste erste Schritt?
Nehmen Sie den letzten Berichtskommentar, messen Sie den Wert und kürzen Sie jeden Satz um ein Drittel. Danach messen Sie erneut.
Dieser Beitrag greift ein Thema meiner Haufe-Kolumne auf. Das Original finden Sie unter haufe.de.

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